VEM-Freiwillige   2017/2018   2016   2015   2014   2013   2012   2011   2010   2009 

Ann-Christin | Annika | Benjamin | Carina | Charlotte | Christine | Ilva | Jan | Jonas M | Jonas P | Lina | Moritz | Nadine | Robert | Svenja | Till | Vincent

Menu:

Archiv

Blog durchsuchen:

Convention...

Autor: Ilva | Datum: 11 Dezember 2011, 21:27 | Kommentare deaktiviert

Das war der Begriff, der mir offenbart wurde, als ich dazu eingeladen wurde. Was man darunter versteht? Keine Ahnung. Frage ich nach? Natürlich. Kriege ich eine Antwort? Natürlich nicht. Das ist aber auch nicht weiter schlimm, ich habe mich ja inzwischen daran gewöhnt. Also hieß es für mich: abwarten, Tee trinken (die Verpackung verspricht übrigens "the finest tea of Rwanda" zu sein) und einfach alles auf mich zukommen lassen.

Was habe ich erwartet?

DAS NICHT!!!

4 Tage, über 40 Stunden Gottesdienst ausschließlich auf Kinyarwanda, 10 Predigten (von mindestens 1 1/2 Stunden Länge) und über 600 Menschen, die jeden Tag Kilometer lange Wege zurück legen, um etwas von Gottes Wort zu hören. Und ich mittendrin.

Was hätte ich am aller wenigsten erwartet?

 - Ich fand es einfach großartig!!! -

 Zugegeben: mein Gesäß hat zwischendurch mächtig geschmerzt, ich habe - trotz Übersetzer - das Wenigste verstanden und mehr als ein Mal habe ich mich gefragt, wie ich die nächsten Tage überleben soll und mir gewünscht, dass es endlich vorbei ist.

Aber das alles ist so unglaublich schnell vergessen, wenn die Gemeinde anfängt zu tanzen.

Zuerst hört man nur eine Stimme singen. Dann taucht ihr Besitzer aus der Menge auf und geht klatschend und weiterhin trällernd nach vorne, um sich das Mikrofon zu schnappen. Und trotzdem geht sein nächster Satz in der Stimmgewalt der einstimmenden Gemeinde unter. Das Keyboard setzt ein und plötzlich ist der ganze Raum erfüllt von ruandischen Rhythmen (ich sage bewusst ruandisch, denn diese sind meiner Meinung nach alles andere als typisch afrikanisch). Alles steht. Singt die Lieder, tanzt die Tänze, die jeder Ruanda in die Wiege gelegt bekommen zu haben scheint. In nullkommanichts ist der freie Platz vor der Kanzel bis auf den letzten Quadratzentimeter mit Menschen gefüllt. Sie wirbeln, springen, bewegen sich mit Schritten, die ich nicht mal mehr nachvollziehen kann. Der Boden pulsiert.

Es ist pure Freude, die jeden erfüllt.

 

(Und weil es mir so gut gefallen hat, habe ich ausnahmsweise mal Fotos hochgeladen:))

 (weiter)

 

Ein kleines Erlebnis aus dem Alltag...

Autor: Ilva | Datum: 02 November 2011, 21:14 | Kommentare deaktiviert

Montags und Donnerstag unterrichte ich Englisch in einem anderen Gemeindeabschnitt, nahe des Stadtzentrums. Da ich hier generell wenig Bewegung bekomme und sich die sonst so billigen Moto-Taxi-Fahrten in der gesamten Woche schnell zu einem größeren Betrag summieren, gehe ich dort normalerweise zu Fuß hin. Dieser Fußmarsch dauert ca. eine Stunde.

Wenn man als Weiße/r in Ruanda spazieren geht, kommt es nicht selten vor, dass man kleine Kinder anlockt, wie die Motten das Licht. Normalerweise bleiben sie aber am Straßenrand stehen, winken und rufen einem zu. Häufig kommt es auch vor, dass man für einige hundert Meter eine nette Wegbegleitung hat.

Meine Wegbegleitung am Montag war jedoch etwas hartnäckiger. Erst war es ein kleines Mädchen, ich schätze so zehn Jahre (da kann man sich hier aber auch schnell vertun, sowohl die Kinder als auch die Erwachsenen sehen unglaublich jung aus), sie blieb jedoch nicht lange allein. Nach weiteren 20 Metern gesellte sich einer ihrer Freunde dazu. Und diese beiden sind mir während der gesamten Wanderung von einer Stunde nicht von der Seite gewichen. Ihre Intention wurde sehr schnell klar. "Give me my money!" (ein ruandischer Sänger, der allen Weißen in seinem Land einen riesigen Gefallen tun wollte, hat vor einem Jahr ein Lied mit eben diesem Titel veröffentlicht - folglich ist das ein Satz, den alle Kinder hier beherrschen). Mein Kinyarwanda reicht aber inzwischen dafür aus, um diesen Kindern - hoffentlich schonend - beizubringen, dass ich das nicht tun werde. Also diskutierten sie meine Antwort für einige Sekunden und probierten weiter. "Give me my pen!" "Oya, sinshaka ikaramu!" (Nein, ich habe keinen Stift. "Ich werde euch keinen Stift geben" übersteigt leider meinen Horizont.) Das ging dann noch eine Weile so weiter, aber als ihnen die Vokabeln ausgegangen waren, wurde es ruhig.

Da die beiden aber keine Anstalten machten den Rückweg anzutreten, dachte ich mir, dass ich aus dem Rest des noch vor uns liegenden Weges auch gleich eine "Vokabelstunde unterwegs" machen könnte. Also legte ich los "What is this?" (ein Satz den alle Kinder aus dem Englischunterricht kennen - das ist allerdings oft die oberste Grenze) "This is a T-Shirt." "Very Good". Die Kinder hatten das Prinzip schnell raus und versuchten sich nun ebenfalls als Lehrer. "What is this in Kinyarwanda?" "Isharti." Als ich dann endlich bei der Kirche ankam, hatten beide Fronten so ziemlich alle Vokabeln ausgetauscht, die sie in der anderen Sprache beherrschen.

Höflich wie ich bin, habe ich ihnen noch zum Abschied die Hand gegeben, mich bei jedem persönlich verabschiedet (ich hatte nämlich sogar die Namen gelernt) und habe mich dann auf zu meinen nächsten Schülern begeben. Und Rosette und Pascal haben wieder den Heimweg angetreten. Aber das Ganze hat mir so viel Spaß gemacht, dass ich ihnen am liebsten wirklich "ihre Stifte" gegeben hätte...hätte ich welche gehabt.

 

Examen...

Autor: Ilva | Datum: 29 Oktober 2011, 16:55 | Kommentare deaktiviert

Normal 0 21 false false false DE X-NONE X-NONE

„Exams? What do you mean by exams?“ “The final exams of the year.” “OK…and in which subjects?” “All of them, of course.” “OK…and who is testing them in English?” “You ,of course.” “Me? ...OK…So when will the exams take place?” “Next week!”

Yup, so habe ich davon erfahren, dass das Sozialprojekt, in dem ich unterrichte, doch wohl mehr als ein Projekt ist. Mir war klar, dass sie sich hier vom Ablauf des „Schul“-Jahres her an richtigen Schulen orientieren, aber mir war nicht klar, dass die Gemeinsamkeiten über gemeinsame Sommerferien hinausgehen. Aber die Schüler des Projektes schreiben am Ende des Jahres Examen und wenn sie alle bestehen, erhalten sie ein Zertifikat. Den wahrscheinlich einzigen Bildungsnachweis, den sie in ihrem Leben erhalten werden. Druck? – Nööö…

Ich unterrichte diese Gruppe nun etwas über einen Monat. Ihre Vorbildung war leider überhaupt nicht gut und die Sprachbarriere hat das darauf Aufbauen leider nicht einfacher gemacht. Mir wurde zwar viel Unterstützung zugesagt, aber irgendwie stand ich dann dennoch ab der zweiten Unterrichtsstunde alleine dar. Aber ich habe mich da so durchgebissen und mit der richtigen Organisation ist es nach einer Weile richtig gut gelaufen. Aber Examen? Darauf muss man vorbereiten. Und die Tatsache, dass ich es am Freitag vor der Examenwoche durch Zufall erfahren habe, hat die Situation leider nicht vereinfacht. Ich möchte ja nicht sagen „das ist Afrika“, aber das Problem, über wenig aufgeklärt zu werden und keine konkreten Antworten bekommen zu können, ist für mich all gegenwärtig. Da vermisst man schon ein ich wenig die deutsche Strukturiertheit…

Nun ist es aber so, also was tun? Ich habe die Examen vorbereitet (sie waren wirklich nicht schwierig, aber guter Dinge war ich trotzdem nicht), mir noch zwei weitere Unterrichtsstunden rausgeschlagen und die Schüler auf Vokabeln, Themen und Aufgabenstellung getrimmt. Ich habe alles getan was ich konnte, aber das Schlimme ist, ich wusste von Anfang an welche Schüler trotz aller Mühe nicht bestehen würden.

Und genau so ist es auch passiert. Ich habe wirklich alles versucht den Erwartungshorizont so anzupassen, dass möglichst viele Schüler bestehen, aber für Fünf hat es leider nicht gereicht. Ich habe es mit den Leitern besprochen (die fanden übrigens, solange mehr als die Hälfte bestehen, ist alles OK) und es bringt nichts ihnen ein Zertifikat zu geben, wenn sie nichts dafür getan haben und es einfach nicht beherrschen.

Aber die Schüler hier haben nie, so seltsam es auch klingt, gelernt zu lernen. Sie haben nie ein anderes Lehrsystem als strickten Frontalunterricht miterlebt. Der Lehrer sagt, die Schüler wiederholen; der Lehrer sagt, die Schüler wiederholen. Es klingt zwar schwer nachvollziehbar, aber die wenigsten sind in der Lage selbstständig zu arbeiten. Das ist ein großes Problem Ruandas, das viele Schüler durch dieses System einfach nicht in der Lage sind Gelerntes anzuwenden.

Letztendlich glaube ich, dass es für mich schlimmer war die Examen zurückzugeben, als für sie, sie zu erhalten. Ich mache mir zwar meine Vorwürfe, aber danach habe ich mich erst einmal in meinem Zimmer verkrochen. Ich bin für sowas glaub ich wirklich nicht gemacht.

Aber auch wenn ich für meine ersten Examen nicht mehr hätte tun können,  habe ich eine Menge für die Nächsten gelernt. Denn das nächste Schuljahr kommt bestimmt. Und diesmal kann ich von Anfang an darauf hinarbeiten und muss mir nicht drei Tage vorher etwas aus den Fingern saugen. Schon interessant, wie man aus so einer Pleite wieder so viel Motivation ziehen kann.

Trotzdem: Falls irgendjemand kreative Ideen zur Unterichtsgestaltung hat, ihr habt ja meine E-Mailadresse =)

 

Briefe...

Autor: Ilva | Datum: 17 Oktober 2011, 21:49 | Kommentare deaktiviert

Heute haben mich die ersten Briefe ereilt und haben mir meinen mit Flohbissen übersähten Tag gerettet (doofe Fiecher).

Mein Dank gilt der lieben Jenny und der lieben Eunike. Ich habe mich echt riesig gefreut. Immanuel, den Überbringer, habe ich direkt mit angesteckt und wir haben gegrinst wie zwei Honigkuchenpferde :)

Die Antworten sind schon in Arbeit...mal sehen ob ich das mit dem Briefmarkenkaufen hinbekomme.

Total super, ich freue mich auf mehr!

 

Fliegender Wechsel...

Autor: Ilva | Datum: 12 Oktober 2011, 15:01 | Kommentare deaktiviert

Normal 0 21 false false false DE X-NONE X-NONE

In meinem Leben hier ist jetzt leider eine kleine aber große Veränderung eingetreten.

Mein guter Freund, der Bischof, hat das Land verlassen. Das war natürlich weder aus irgendeinem Notfall heraus noch auf sonst irgendeine andere Weise spontan. Sondern diese Reise wurde seit Monaten gut geplant.

Denn der Bischof hat sein wohlverdientes Sabbat-Jahr angetreten.

Er hat es sich wirklich wohl verdient – so wie ich das wahrnehme, hat man als Bischof kaum Freizeit. Wenn du Bischof bist, ist dein Job dein Leben. Ich habe ihn auf ein paar Fahrten, wie z.B Konfirmationen begleitet. Was heißt ca. eine Stunde Anfahrt, 4 Stunden Gottesdienst in einer dicken Robe in einer überhitzen und überfüllten Kirche, danach noch ein paar nette Worte an die Gemeindevorsitzenden (wobei man aber immer lecker Essen bekommt) und dann wieder eine Stunde zurück. Die gesamte Prozedur dauert ungefähr sieben bis acht Stunden. Ich bin danach immer tot ins Bett gefallen. Der Bischof muss danach aber zurück an die Arbeit. Und das ganze macht er dann drei Mal die Woche. Daneben noch die unzähligen Meetings in Kigali, anderen Gemeinden, organisatorische Arbeit und die ständige Präsenz als Bischof. Denn selbst wenn er zuhause ist, ist er immer ansprechbar. Wie oft habe ich mit ihm gegessen und musste dann aber alleine aufessen, weil spontan Besuch für ihn vorbeigekommen ist.

Ich wünsche ihm also eine erholsame Zeit.

Er geht nun für drei Monate nach Frankreich, um seine Familie zu besuchen (seine Frau und seine Töchter wohnen nämlich dort), sechs Monate in die USA und dann nochmal drei Monate Europa.

Ich komme, er geht – traurig.

Jetzt schlendert kein Bischof Jered mehr pfeifend und mit seinem Schlüssel klimpernd an meinder Tür vorbei, steckt den Kopf herein und fragt : „Good morning Eva (Ewa). How are you today?“ Die haben es irgendwie alle noch nicht so mit meinem Namen raus. Und ich glaube die finden den Gedanken ganz schön, dass ich wie die Frau von Adam heiße. Ich werde ihn vermissen. Er ist wirklich ein sehr weltoffener, netter und lustiger Geselle.

Naja, aber das Leben geht weiter.

Bevor er gegangen ist, wurde er von seinen engsten Mitarbeitern hier noch einmal gesegnet, musste noch einen rieseigen Stapel Papiere unterschreiben (ich habe dabei ein wenig seine Gäste bewirtet und unterhalten) und mit fast einer Stunde Verspätung (Hurra Afrika!) hat sich das gesamte Abschiedskomitee dann in Bewegung in Richtung Flughafen gesetzt. Da ist mir aufgefallen, dass der Bischof und ich etwas gemeinsam haben: Gewaltige Abschiedskomitees!

 

«zurück   1 2 3 4  vor»