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Tansania

Autor: Ilva | Datum: 13 Juli 2012, 08:21 | Kommentare deaktiviert

Dieser Beitrag ist für die liebe Mama Proell, mit deren Kindern ich gerade ein wunderbares Wochenende in Tansania verbracht habe. Und auf ihr Bitten hin sogar mit Fotos ;)

Ruanda wird auch liebevoll "das Afrika für Anfänger" genannt. Was man auch verstehen kann, denn wenn man sich hier umschaut, sieht es kein bisschen so aus, wie man sich das "typische" Afrika so vorstellt. Doch da ich dieses unbedingt einmal sehen wollte, habe ich freudig zugestimmt, als mein Kumpane Moritz und seine Schwester Laura, die gerade zu Besuch ist, mich gefragt haben, ob ich nicht mit ihnen die Freiwilligen in Bukoba besuchen möchte. Tansania, Viktoriasee und dann noch Charlotte und Nadine wiedersehen? Na da bin ich doch glatt dabei.

Leider haben sich von Anfang an einige Probleme angekündigt. Zunächst einmal ging es nur für ein Wochenende. Eine ganz schön kostspielige Reise, wenn man bedenkt, dass wir auch noch das Eintrittsvisum (50$) bezahlen mussten. Und außerdem gibt es keine Expresse nach Bukoba. Man fährt also einfach bis zur ruandisch-tansanischen Grenze, wandert hinüber und schaut dann einfach was passiert. Die Sprache ist ohnehin ein Problem für sich, da mein Kisuaheli genauso gut wie mein Spanisch ist, sprich: nonexistent. Doch das größte Problem von allen war für mich, dass die Proells danach auf eine Safari in Arusha fahren würden (wozu mir leider das Geld und - da ich noch arbeiten muss - auch die Zeit fehlen) was für mich bedeutete die Rückreise ganz alleine antreten zu müssen. Und das in einem Land, wo ich die Sprache nicht beherrsche, die Polizei eine korupte Tendenz hat und man meilenweit fahren kann, ohne einer anderen Menschenseele zu begegnen.

Egal, ich will den Viktoriasee, Charlotte und Nadine sehen. Also ging es Donnerstag Abend nach Kigali, wo Moritz, Laura und ich uns zusammen in einem Hotel in ein Doppelbett gekuschelt haben, und Freitag morgen dann direkt mit einem Expressbus zur Grenze. Reisen in Ruanda ist einfach einwandfrei! - Gut, über die Grenze (50$ ärmer) und schon standen wir vor dem ersten Problem. Geld wechseln. Was ist denn die Umtauschrate von Ruandafranc zu Tansanischen Schillingen? Keine Ahnung, also einfach auf gut Glück getauscht. Und ab nach Tansania. Moment, wo sind denn die Busse? Achso, die gibt es erst im nächsten Dorf. Gut, also erstmal ein Taxi. Preis scheint in Ordnung, alle rein. Warum fahren wir denn nicht? Ok, die wollen das Taxi erstmal ganz voll kriegen. Was machen sie denn jetzt? Es ist doch schon voll? Kein Problem, dann kuscheln wir uns halt alle zu siebt in einen Fünfsitzer. Und los gehts. -

Binalco. Das erste Dorf nach der Grenze. Jeder Mensch, der von Ruanda nach Tansania möchte, muss hier durch. Auch die ganzen prolligen weißen Touristen. Ich glaube, diese würden davon eher entsetzt sein. Doch da Moritz und ich abenteuerlustige Freiwillige sind, die von der "Luxuriösität" Ruandas eher gelangweilt waren, konnten wir einfach nur staunen. Ein paar kleine Lädchen und Häusschen an einer ungeteerten, dreckigen Straße. Kinder spielen zwischen Bananenstauden, die Ladenbesitzer sitzen unter Cocacolaschirmen, um der steigenden Sonne zu entfliehen. Alles ist so langsam, so ruhig...so entspannt. Na das ist doch mal Afrika. Und dort an der Ecke wartet auch schon ein Dalladalla (so nennen unsere Mitfreiwilligen in Tansania liebevoll die Minibusse - nebenbei ausgelegt für 15 Personen).

- Dreimal nach Bukoba bitte! Wie das geht nicht? Ok, erstmal ins nächste Dorf und von da aus dann einen Bus nach Bukoba nehmen. Kein Problem, machen wir. Aber erstmal heißt es natürlich warten. Denn mit 15 Leuten ist der Bus ja noch lange nicht voll. - Nach gut einer halben Stunde warten, ging es dann los. Und während Moritz und ich nach vorne neben den Fahrer gesetzt wurden, durfte die Laura hinten, mit den anderen schätzungsweise 23 Pasagieren kuscheln (das tut mir echt immer noch so leid, Laura). Dagegen war der Ellenbogen des Fahrers, der sich bei jedem Mal schalten in meine Bauchgegend gebort hat, geradezu eine Wellnessmassage! Doch auf diese Weise alle wunderbar verstaut, ging es dann für 3 Stunden durch die Savanne. Und das war ein Anblick, der sich mir nach 10 Monaten Afrikas trotzdem noch nie geboten hat. Ebene Flächen ausgetrockneten Grases, endlose Landstraßen zu beiden Seiten mit afrikanischen Bäumen gespickt , doch das Erstaunlichste: keine Menschen. Keine Häuser. Keine Berge. Doch dafür nach wie vor eine brütende Sonne. Doch als Abhilfe dagegen reißen die Tansanier einfach die Fenster auf und lassen den ganzen afrikanischen Staub rein.

Nach einer endlos scheinenden Reise kamen wir dann im nächsten Dorf an. Und schon hatten wir wieder ein neues Problem. Kein Geld mehr. Und in diesem Dorf sah es nicht danach aus als gäbe es irgendwo eine Bank. Käse. - Spricht hier irgendjemand Englisch? Natürlich nicht. Französisch vielleicht? Nö. Ok, wie steht es denn mit Kinyarwanda? Tatsächlich! Super, können wir bei Ihnen Geld tauschen? Puh, das ist aber eine Abzocke. Aber ich schätze Mal, wir können da nicht weiter wählerisch sein. - Ab in den nächsten Bus (diesmal durften wie alle zusammen mit den Passagieren kuscheln, nachdem Laura, der wir zum Ausgleich den Sitzplatz vorne überlassen hatten, von diesem vertrieben wurde). Und wieder für zwei ausgerechnete Stunden durch die Pampa.

Leider hatten wir nur die Hälfte der Strecke geschafft, als der Bus dann mitten im Nirgendwo liegen blieb. - Schade! Aber doch nicht unerwartet, wenn man bedenkt wie schnell die immer Rasen. Was tun? Erstmal warten. Und Moritz die Führung überlassen. Also wird getrampt. - Nach 45 Minuten, die Laura und ich entspannt im Schatten des Busses verbracht haben, saßen wir doch tatsächlich in einem Auto in die nächste Stadt. Wobei das Wort "sitzen" relativ ist, da ich eher bei Laura und Moritz auf dem Schoß lag. Aber anders passen 5 Leute nunmal nicht auf eine Dreiersitzbank. Und wieder durch die Pampa. In der nächsten Stadt angekommen, haben wir dann doch tatsächlich direkt einen Bus nach Bukoba erwischt. War das ein schönes Gefühl. Wenn man mal davon absieht, dass ich mehr kniete als saß, Laura mal wieder zwischen kleinen Kindern eingequetscht war und Moritz verzweifelt versuchte irgendwo seine langen Beine unter zu bringen. 25 Leute plus Babies. Wunderbar.

Und so kamen wir nach 12 einhalb Stunden Reise doch tatsächlich in Bukoba an. Ich mit grauen, Moritz mit braunen Haaren und Laura mit wundersamer brauner Haut. Nur zum Hinweis: das ist alles beim Duschen wieder abgegangen. Und wir sind doch tatsächlich Charlotte und Nadine in die Arme gefallen (wir hatten nämlich ein paar echte Probleme sie zu erreichen). Und die Zeit in Bukoba war einfach nur herrlich. Ob bei Nadine zuhause, auf dem Markt, am Viktioriasee (in dem ich leider alleine Planschen war) oder bei Charlotte...großartig. Selbst ein Telefonat mit unseren tollen Freunden Jonas und Carina, am anderen Ende Tansanias, war mit drin. Ganz besonderes war es für mich Charlotte an ihrer Stellen zu besuchen. Sie arbeitet nämlich in einem Waisenhaus in einem Dorf (an dieser Stelle mache ich einmal Werbung für Charlottes Blog, damit ihr die Hintergründe dieses Waisenhauses nachlesen könnt) und es war einfach unglaublich süß. Und das alles an einem Tag, meine Güte.

Doch über all dem hing die ganze Zeit wie ein dunkler Schatten die Rückreise. Denn am Sonntag morgen ging es dann auch schon wieder  zurück. Für Moritz und Laura nach Arusha, für mich einsam und alleine nach Ruanda. Ich werde jetzt einfach nicht genauer auf die Reise eingehen, sondern nur sagen, dass es länger war, teuer und ich in manchen Momenten ernsthaft gezweifelt habe, ob ich die wunderbaren Hügel meiner "Heimat" jemals wieder sehen würde. Da konnte ich echt nur noch beten. Doch es war die schönste Freude, als ich endlich wieder Fuß auf ruandischen Boden gesetzt habe. Und ich sage euch, die Ruander hinter der Grenze haben sich auch gefreut mich wieder zuhaben. Und wenn es nur meine Freudenrufe waren, die sie zum Lachen gebracht haben.

Mein Fazit: Ich bin froh, dass ich es egmacht habe. Es war wunderbar das alles zu sehen, zu erleben und ich kann Ruanda jetzt wieder viel besser wertschätzen. Aber...NIE WIEDER! =)