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European Cup

Autor: Ilva | Datum: 17 Juni 2012, 07:21 | Kommentare deaktiviert

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Ja, auch in Ruanda ist die Europa Meisterschaft ein Thema. Ehrlich (und vielleicht sogar peinlicher Weise) gesagt wäre sie sogar direkt an mir vorbei gegangen, wenn die Ruanda nicht so fußballbegeistert wären. Meine Schüler versichern mir nämlich ständig, dass sie für Deutschland sind, da Ruanda ja nicht dabei ist. Und seitdem habe ich es mir zur Aufgabe gemacht, Werbung für die deutsche Nationalmannschaft zu machen, um selbst den letzten Ruander auf die Seite der deutschen Nationalmannschaft zu ziehen.

Wo soll’s man sich nun anschauen? In der Stadt geht nicht wegen der Entfernung und der späten Stunde (wer hat sich das nebenbei ausgedacht?), bei meinen Nachbarn ebenso nicht, weil sie diesen Monat kein Kabel bezahlt haben und die Einladung meiner Freunde in Shyogwe musste ich auch höflich ablehnen. Denn bevor ich mir die Spiele in einem Haushalt voller Holländer -6 Stück an der Zahl, ich als einzige Deutsche und keine anderen Augenzeugen mit im Raum- anschaue, lasse ich es lieber ganz sein. Damit bleiben zumindest meine Knochen heil. Eine weise Entscheidung, denn ich glaube die Deutschland-Niederlande-Partie hätte ich in der Tat nicht überlebt.

Ich kann mir die EM also tatsächlich nicht angucken. Das ist zwar äußerst ärgerlich, aber eigentlich bekomme ich trotzdem alles mit. Denn bei jedem Tor Deutschlands bekomme ich eine Gratulationsnachricht nach der anderen aufs Telefon und wenn das Spiel dann letztendlich vorbei ist, kommt der Partyanruf des treuen Moritz. Leider schlafe ich da meistens schon. Doch davon lässt sich mein euphorischer Gefährte natürlich nicht schrecken, brüllt das Ergebnis in den Hörer und schmeißt mich damit am anderen Ende der Leitung fast aus dem Bett. Ich liebe es! Denn auf diese Weise erreicht mich der deutsche Fußballgeist selbst hier. Und danach schlafe ich nur umso besser. Und die nächsten drei Tage höre ich von allen Seiten „The Germans are so strong!“ und sehe Deutschlandmützen, -hüte, -armbänder und Flaggen, die an vorbeifahrende Fahrräder gepinnt sind (in diesem Fall ist es aber glaube ich Standardausrüstung). Fast wie in der Heimat =)

 

Wer rast denn da über Weg und Pfad? Es ist die Ilva auf ihrem Rad!

Autor: Ilva | Datum: 09 Juni 2012, 08:52 | Kommentare deaktiviert

Ich bin stolze Besitzerin eines Fahrrads. Naja, nicht wirklich stolz. Obwohl mir von allen Seiten immer wieder gesagt wird "Oh, Ilva - you have such a strong bike." muss ich das immer mit einem leichten Lächeln verneinen. Es sieht zwar aus wie ein Mountainbike - was im Land der tausend Hügel echt gut zu gebrauchen wäre - doch leider hat es nichts von dessen Robustizität(?). Das Quietschen, das das Fahrrad bergauf von sich gibt, ist mehr als störend und der Knall, den die Kette im Leerlauf berab verursacht, durchaus beunruhigend. Aber da es mehr als genug Werkstätten gibt, ist das natürlich kein Problem.

Und wen wundert's, dass mein getreuer Drahtesel so überbeansprucht ist? Wenn man sich die Wege anschaut, über die es hinweg pest...

Nach wie vor fahre ich nämlich einmal die Woche nach Shyogwe, einem Dorf ca. 7 km in Richtung Ende der Welt. Ich muss zugeben, dass ich die Arbeit in dem Kindergarten dort während der Regenzeit ein wenig vernachlässigt habe. Doch da nun das Gröbste hinter uns liegt und ich auf dem Weg dorthin nicht mehr vom Ertrinken bedroht bin, habe ich die Arbeit dort einige Wochen zuvor wieder aufgenommen.

Es ist eine schöne Reise. Leicht verschlafen setzte ich mich am Morgen auf mein Rad. Die frühe Sonne spendet wunderschönes Licht und eine wärmt leicht meine Haut. Ich fahre über die Hauptstraße und Wind weht mir über die Wangen während ich vorbei an den Ladenbesitzern fahre, die vor ihren Geschäften sitzen und mir Grüße zurufen. Sehr angenehm. Dann biege ich nach links, auf eine kleinere Straße, wo der Asphalt langsam in Erde und Steine übergeht. Der Rest Müdigkeit, der noch übrig ist, wird hierbei aus jedem Zentimeter des Körpers, der auf diesem Weg auf und ab springt, herausgeschüttelt. Noch mehr Läden, noch mehr verschlafene Menschen am Wegesrand, die die Sonne genießen und mir erstaunt nachrufen, wenn ich vorbeidüse. Frauen fahren hier nämlich eingentlich kein Fahrrad. Ach ja, und ich bin weiß. Eine wohl sehr interessante Kombi. Weitergeht es bergab über ein langes Stück Pfad, das von beiden Seiten mit Bäumen gesäumt ist. Im Slalom um die Löcher und Krater im Boden und die Menschen und Fahrräder, die einem entgegenkommen. Noch ein paar Häuser und damit habe ich die "Zivilisation", also die Wohngegenden erstmal hinter mir gelassen. Vor mir erstrecken sich nun die Hügel und Täler Ruandas. Alles in das sanfte Licht der Morgensonne getaucht. Es ist so ruhig. Pure Entspannung.

Ich fahre durch eine Gruppe Gefängnisinsassen, die am Wegesrand Unkraut jeten und auch wir grüßen uns freundlich, vorbei an Ziegen, die angebunden im Schatten eines Eukalyptusbaumes Dösen, vorbei an Frauen, die ihre endlos scheinenden Reisfelder umgraben. Und ich fahre vorbei an Kühen. Frei rumlaufenden, unangebundenen Kühen, mit Hörnern, auf denen zwei Menschen auf einmal sitzen könnten. Habe ich schon erwähnt, dass ich panische Angst vor Kühen habe? (Kindheitstrauma). Ohne Witz, an den Kühen vorbei zu fahren, kostet mich dreimal mehr Überwindung als durch eine Gruppe verurteilter Gefangener. Bisher hat mich zwar noch keine Kuh angegriffen, aber für mich ist das nur eine Frage der Zeit. Sie können meine Angst bestimmt riechen. Doch da es in Ruanda von Kühen nur so wimmelt, macht es sowieso keinen Sinn zu versuchen ihnen aus den Weg zu gehen. Und von denen lasse ich mir nicht meine wunderbare morgendliche Radtour kaputt machen.

Obwohl der wunderbare Teil auch nach einer Zeit vorbei geht. Denn wenn man 20 Minuten kontinuierlich fast nur bergab fährt, muss man unvermeidlich irgendwann auch wieder bergauf. Unermüdlich grüße ich weiterhin alle Menschen die mir entgegenkommen. Doch das wird mehr und mehr zur Qual. Die Luft wird immer knapper, die Sonne immer wärmer und die Wege irgendwie immer holpriger. Bis zu einem Kilometer erstrecken sich diese Berge manchmal. Und sind an manchen stellen steiler als der Berg nach Solingen-Aufderhöhe (12%Steigung). Doch ich halte wacker durch. Kinder, die am Wegesrand spielen, springen auf und laufen neben mir her (kein Wunder - ich bin ja auch wirklcih langsam). "Komera Umuzungu!" (Halte durch, Weiße!). "Yego, mukomere!" (Ja, bleibt ihr auch stark!). Wenn sie ganz übermütig werden, halten sie sich beim Laufen manchmal am Gepäträger fest. In dem Fall muss ich aber mal rufen "Oya! Bibi!" (Nein! Böse!). Dann lassen sie auch wieder los. Doch das reicht meistens schon um mich meiner letzten Kräfte zu berauben.

Wenn ich dann ein Stück Weg finde, wo wundersamerweise gerade niemand ist, gönne ich mir manchmal eine Pause. In der Nähe anderer Menschen zu halten, hat nämlich oft die Folge,dass sich plötzlich eine Traube Menschen um einen versammelt, die einen einfach nur anstarren. Und dann ist es doch ein wenig unpassend seine Wasserflasche zu zücken und zu trinken. Also, Privatsphäre wird benötigt. Gefunden, kurz durchgeatmet, einen Schluck getrunken - da blögt einen ein Schaf von der Seite an. Egal, trotzdem noch Privatsphäre genug. Noch einen Schluck und weiter geht's.

Wenn ich dann letztendlich mit hochrotem Kopf in Shyogwe ankomme, bin ich jedoch nicht so erschöpft, wie man es denken würde (ich schwitze eher weniger, werde aber roter als eine Tomate. Das ist aber ganz praktisch, denn die Ruander sehen da keinen Unterschied. Für sie bin und bleibe ich weiß.) 45 Minuten dauert die Fahrt und das ist eingentlich genau die richtige Dauer und die Richtige Menge Sport um einen für den Tag so richtig in Schwung zu bringen.

Es gibt nur zwei Probleme: Erstens, ich arbeite nicht mehr im Kindergarten. Wegen ein paar Differenzen, habe ich ihnen mitgeteilt, dass ich die Arbeit dort lieber beenden würde. Das war jedoch kein Problem. Stattdessen helfe ich jetzt einer niederländischen Studentin, die in einer der Schulen von Shyogwe Tanz und Drama unterrichtet. Das ist echt mal was ganz anderes. Es macht echt super viel Spaß, aber mit 40 ruandischen Schülern und Schülerinnen durch einen Saal zu hopsen, zehrt doch schon sehr an den Kräften. Besonders nach so einer Radtour.

Das zweite Problem ist: Ich muss auch wieder zurück. Und die Rückfahrt ist ungefähr doppelt so anstrengend wie die Hinfahrt. Bergauf, bergauf, bergauf. Wenn ich dann am späten Nachmittag nach Hause komme, bin ich physisch ganz schön tot. Besonders mein Po =) Aber auch sehr glücklich, denn in der Nacht nach Shyogwe kann ich meistens wirklich gut schlafen!