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Umuganda

Autor: Ilva | Datum: 03 Mai 2012, 15:59 | Kommentare deaktiviert

Das ist der Tag in Ruanda, an dem jeder Einwohner des Landes zu gemeinnütziger Arbeit verdonnert wird. Dabei haben die alle doch nichts verbrochen. Schon ein bisschen unfair, was?

Naja, es geht. Umuganda, was zu deutsch tatsächlich in etwa "öffentlicher Gemeinschaftsdienst" bedeutet und im Englischen als Community Day bezeichnet wird, findet am letzten Samstag jedes Monats statt. Von 8 bis 12 Uhr lassen alle Menschen ihre alltägliche Arbeit und Jobs liegen und wenden sich Aktivitäten zu, die das Leben von Land, Leuten und Gemeinschaft verbessern sollen. Es werden Häuser gebaut, Straßen gesäubert, Kirchen geputzt, öffentliche Grasflächen geschnitten. Umuganda ist nichts, das man einfach "vergessen" kann. Es ist in dem Kopf aller Ruander verankert, da es eine der strikten Maßnahmen ist, die die Regierung in der Zeit nach dem Genozid verordnet hat. Mit dem Ziel die schrecklichen Folgen dieser Zeit so schnell wie möglich hinter sich zu lassen.

Generell kann man sagen, dass es etwas ist, an dem sich jeder andere Staat der Welt ein Beispiel nehmen kann. Es stärkt die Gemeinschaft, erschafft ein Gefühl von Einheit und Verantwortung füreinander und für die Umwelt. Sehr nobel.

Rein theoretisch natürlich. Denn, obwohl die Ruander eigentlich zu diesen Aktivitäten verpflichtet sind, sind sie letztendlich auch nur Menschen. Faul ist das Stichwort. Also nimmt die Masse an Menschen, die sich an jenem Vormittag in ihren Häusern verstecken und sich eine entspannte, arbeitsfreie Zeit machen, immer mehr zu. Was man natürlich nicht als Regel betrachten sollte, denn auf der anderen Seite gibt es immer noch die Menschen, die diese Tradition sehr ernst nehmen.

Und da ich nunmal ein traditionsbewusster Mensch bin, habe ich mich am Samstag auf den Weg entlang der Menschen und besonders autoleeren Straße (denn auch das Fahren ist an diesem Tag verboten - es ist einfach so unglaublich ruhig!) hoch zum Landwirtschaftprojekt der Diözese gemacht, um mich ein paar Freiwilligen -in ihrem bestreben das Gelände zu vergrünen- anzuschließen. Bäume pflanzen, war die Devise.

Das heißt: Loch graben, den ausgehobenen Boden wieder hineinschieben (ich nehme mal an, um den Boden aufzulockern), den Setzling einsetzen (gerade mal 10 cm groß), mit Dünger umringen und diesen dann mit dem Rest Erde bedecken. 7 Freiwillige, vier Flächen, auf jeder Fläche ca 20 Löcher, das maaaacht...eine ganze Menge Arbeit! Besonders da wir keine Schaufeln hatten, sondern Hacken, die gemeingefährlich und unaufhaltbar mit voller Kraft von über dem Kopf in den Boden geschwungen werden. Das war echte körperliche Anstrengung. Denn die vorgegebene Größe der Löcher ist nicht ohne. Was einen doch sehr frustriert, da man das Loch letztendlich bis zu einem Dreviertel einfach wieder zuschüttet. Und währenddessen wird man angeheizt von der wunderbaren Sonne Afrikas. Und das obwohl es gerade Regenzeit ist. Zugegeben: Regen wäre in diesem Moment nicht gerade hilfreich gewesen. Aber ob die Sonne uns nun wirklich einen Gefallen getan hat, als sie durch die sonst so permanente Wolkendecke brach und uns allen die Arrme versenkt hat, bleibt fraglich.

Aber jetzt kommt mein Lieblingsteil: Als alle Löcher gebuddelt waren, wurde es dann Zeit zum eigentlichem Teil der Arbeit über zu gehen. Dem Pflanzen. Ich als Neuling habe erstmal bei der Bearbeitung eines Loches zugeschaut und mich dann voller Elan auf mein eigenes gestürzt. Im Spagat über dem Loch erstmal die ganze Erde wieder reinwuchten, dann das kleine Bäumchen platzieren -sehr niedlich- dann den Dünger drumherum...Moment mal...das hat aber eine sehr interessante Konsistenz und die Farbe erinnert mich gefährlich an... "Hey Ilva, du musst das übrigens nicht mit der Hand machen, wenn du das nicht willst!" -eine tolle Bemerkung, wenn ich schon bis zu den Handgelenken tief drin stecke- "Ist es das was ich denke?" "Jo, das kommt frisch aus dem Hinterteil einer Kuh!"

Na wunderbar! Egal, wenn schon denn schon. Also hat die liebe Ilva die nächste halbe Stunde damit verbracht mit den Händen in Kuhmist zu wühlen. Und glaubt es mir oder nicht, ich fand es einfach zum Schießen komisch und habe mich mit jedem neuen Loch aufs Neue kringelig gelacht.

Das Händewaschen danach war allerdings alles andere als erfreulich. Aber mit System wurden allen fleißigen Helfern die Hände gereinigt. Und da wir alle Desinfektionsmittel dabei hatten, waren versteckte Bakterien auch kein Problem. Nur die Ränder unter den Fingernägeln haben doch ein längerfristiges Andenken gegeben...Pfui! =)