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Feiertage

Autor: Ilva | Datum: 10 Januar 2012, 19:01 | Kommentare deaktiviert

Weihnachten in einer anderen Kultur...woah.

"Ilva, das wird bestimmt so eine coole Erfahrung, ich bin so neidisch, du wirst so viel sehen. Mensch ist das aufregend für dich!"

Jaja, diese Sätze oder auch so ähnlich habe ich wirklich oft gehört und auch selber gedacht. Ich war echt gespannt darauf, das zu erleben.

Das klingt nach einem großen "ABER"? Das hat es auch. Denn womit ich leider nicht gerechnet hatte, ist den 25. Dezember, den kulturellen Höhepunkt der ruandischen Feierlichkeiten, ans Bett gefesselt zu verbringen. Und da es dann doch so war, konnte ich leider wenig dagegen machen. Ich habe Weihnachten bei Moritz in Butare verbracht, wo wir auf einer Multikulti-Weihnachtsfeier eingeladen waren. Für die habe ich mich dann auch am späten Nachmittag aus dem Bett gehievt, allerdings nur mit Beschwerden. Aber das war es wert, denn wer kann schon von sich behaupten, dass er jemals mit drei Belgiern, einer Kanadierin, zwei Deutschen, zwei Australiern mit ihren kleinen Kindern, einem Briten und einem Ruander Weihnachten gefeiert hat? Ach ja, genau. Das wären dann wohl nur Moritz, Björge (ein deutscher Medizinstudent) und ich. Und es war wirklich schön und dafür hat es sich gelohnt, die Wärme und Gerborgenheit des Krankenlagers zu verlassen.

Da ich an Weihnachten die eigentliche "Kultur" meiner jetzigen Heimat verpasst habe, wollte ich zu Neujahr die komplette kulturelle Dröhnung geben! Leider ist das nicht ganz so einfach, denn nicht jede Gemeinde bietet kulturelle Dröhnung an. Und meine gehört leider zu denen, die es nicht tun. Ich habe versucht an dem Mitternachtsgottesdienst in einem Dorf teilzunehmen, wo mir allerdings Transport und Unterkunftsprobleme in die Quäre kamen. Wer hätte gedacht, dass es so schwierig sein kann, einfach mit ein paar Einheimischen traditionell ein wenig zu feiern? Aber ich habe trotzdem nicht aufgegeben.

Am 31sten habe ich an dem Jahresabschlussgottesdienst in meiner Kirche teilgenommen. Im Großen und Ganzen hat er sich nicht von den üblichen Gottesdiensten hier unterschieden. Er hat nur zwei Stunden zu spät angefangen (als ich das erste Mal zur Kirche auf dem Berg gestiefelt bin, war noch niemand da und in diesem Moment dachte ich mir wirklich, dass es vielleicht einfach nicht sein soll), insgesamt 5 Stunden gedauert (was selbst für ruandische Verhältnisse lang ist) und war erstaunlich schlecht besucht (aber dadurch ging es mir eigentlich besser, weil ich mich dann als Teil des harten Kerns der Gemeinde gefühlt habe).

Was diesen Gottesdienst aber wirklich für mich zu etwas Besonderem gemacht hat, waren die letzten Minuten, als alle die Möglichkeit hatten nach vorne zu kommen und zu erzählen wofür sie Gott im letzten Jahr dankbar sind. Die Schlange schien schier endlos. Und da konnte man wirklich spüren was für eine unglaubliche Quelle der Hoffnung Gott für diese Menschen ist. Er ist es, der sie am Leben hält, für sie sorgt. Dieser Gedanke ist es, der sie dazu befähigt weiterzumachen, wenn die Dinge aussichtslos scheinen. Und dementsprechend sind sie Ihm schlicht weg für ALLES dankbar. Es war schön ihnen die Dankbarkeit für das letzte und die Zuversicht für das nächste Jahr ansehen zu können.

Am Abend war ich beim Bischof zum Abendessen eingeladen, der über die Feiertage nach Hause zurück gekommen ist. Zur Feier des Tages gab es Leber (brrrr...) und ich habe sie natürlich voller Enthusiasmus gegessen. Im Anschluss haben wir seinen Bruder und dessen Familie besucht. Die sind unser beider Nachbarn, es war also eine sehr gemütlich Versammlung. Da der Bischof ins neue Jahr schlafen wollte, musste ich danach wohl oder übel allein ins neue Jahr starten. Was aber noch lange nicht heißt, dass ich nicht gefeiert habe. Im Gegenteil, so viel Stimmung hat das Halleluja-Haus wahrscheinlich noch nie erlebt. Und ich hatte echt Spaß daran mit meiner IPod-Musik in den Ohren das gesamte Haus und jedes einzelne Möbelstück unsicher zu machen. Ich hatte ehrlich einen tollen Abend (pflichtbewusst wie ich bin, natürlich nicht ganz so lange, denn am nächsten Morgen hat nun mal der nächste Gottesdienst auf mich gewartet).

Alles in allem kann man wohl sagen, dass meine Feiertage komplett anders gelaufen sind, als man sie sich vorstellen würde.

Trotzdem: Irgendwie fand ich es einfach super.