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Ein kleines Erlebnis aus dem Alltag...

Autor: Ilva | Datum: 02 November 2011, 21:14 | Kommentare deaktiviert

Montags und Donnerstag unterrichte ich Englisch in einem anderen Gemeindeabschnitt, nahe des Stadtzentrums. Da ich hier generell wenig Bewegung bekomme und sich die sonst so billigen Moto-Taxi-Fahrten in der gesamten Woche schnell zu einem größeren Betrag summieren, gehe ich dort normalerweise zu Fuß hin. Dieser Fußmarsch dauert ca. eine Stunde.

Wenn man als Weiße/r in Ruanda spazieren geht, kommt es nicht selten vor, dass man kleine Kinder anlockt, wie die Motten das Licht. Normalerweise bleiben sie aber am Straßenrand stehen, winken und rufen einem zu. Häufig kommt es auch vor, dass man für einige hundert Meter eine nette Wegbegleitung hat.

Meine Wegbegleitung am Montag war jedoch etwas hartnäckiger. Erst war es ein kleines Mädchen, ich schätze so zehn Jahre (da kann man sich hier aber auch schnell vertun, sowohl die Kinder als auch die Erwachsenen sehen unglaublich jung aus), sie blieb jedoch nicht lange allein. Nach weiteren 20 Metern gesellte sich einer ihrer Freunde dazu. Und diese beiden sind mir während der gesamten Wanderung von einer Stunde nicht von der Seite gewichen. Ihre Intention wurde sehr schnell klar. "Give me my money!" (ein ruandischer Sänger, der allen Weißen in seinem Land einen riesigen Gefallen tun wollte, hat vor einem Jahr ein Lied mit eben diesem Titel veröffentlicht - folglich ist das ein Satz, den alle Kinder hier beherrschen). Mein Kinyarwanda reicht aber inzwischen dafür aus, um diesen Kindern - hoffentlich schonend - beizubringen, dass ich das nicht tun werde. Also diskutierten sie meine Antwort für einige Sekunden und probierten weiter. "Give me my pen!" "Oya, sinshaka ikaramu!" (Nein, ich habe keinen Stift. "Ich werde euch keinen Stift geben" übersteigt leider meinen Horizont.) Das ging dann noch eine Weile so weiter, aber als ihnen die Vokabeln ausgegangen waren, wurde es ruhig.

Da die beiden aber keine Anstalten machten den Rückweg anzutreten, dachte ich mir, dass ich aus dem Rest des noch vor uns liegenden Weges auch gleich eine "Vokabelstunde unterwegs" machen könnte. Also legte ich los "What is this?" (ein Satz den alle Kinder aus dem Englischunterricht kennen - das ist allerdings oft die oberste Grenze) "This is a T-Shirt." "Very Good". Die Kinder hatten das Prinzip schnell raus und versuchten sich nun ebenfalls als Lehrer. "What is this in Kinyarwanda?" "Isharti." Als ich dann endlich bei der Kirche ankam, hatten beide Fronten so ziemlich alle Vokabeln ausgetauscht, die sie in der anderen Sprache beherrschen.

Höflich wie ich bin, habe ich ihnen noch zum Abschied die Hand gegeben, mich bei jedem persönlich verabschiedet (ich hatte nämlich sogar die Namen gelernt) und habe mich dann auf zu meinen nächsten Schülern begeben. Und Rosette und Pascal haben wieder den Heimweg angetreten. Aber das Ganze hat mir so viel Spaß gemacht, dass ich ihnen am liebsten wirklich "ihre Stifte" gegeben hätte...hätte ich welche gehabt.