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Der erste Monat...

Autor: Ilva | Datum: 28 September 2011, 19:56 | Kommentare deaktiviert

Woah, was für ein Monat! Also wirklich. Was für ein Monat!!!! Sowas habe ich echt noch nicht erlebt (wer hätte das gedacht ;))

Hier möchte ich erstmal die Gelegenheit nutzen, um mich für die zurückliegende Funkstille zu entschuldigen. Ich kann mich nur wiederholen: Was für ein Monat!!!!!!!!! Ich versuche in den kommenden Monaten regelmäßiger zu schreiben. Ich habe aber alle Nachrichten und Kommentare mit großen Interesse verfolgt und mich tierisch über jeden einzelnen gefreut. Macht weiter so, das baut schon sehr auf =)

Für die fleißigen Schreiber: ich habe diese Woche ein Paket von meinen Eltern erhalten (da habe ich doch ein bisschen was zuhause vergessen), die Sterne stehen also gut, dass mich, was immer sich von Deutschland aus auf den Weg macht, mich erreicht. Ich freue mich schon.

Also, mein Monat. Im groben kann man sagen, dass es doch schon eine ganz schöne Herausforderung ist sich einzuleben. Ich glaube, ich mache gute Fortschritte, aber ich würde immer noch nicht sagen, dass ich wirklich angekommen bin. Aber sowas braucht nunmal seine Zeit und davon habe ich dieses Jahr genug. Und das heißt nicht, dass es mir nicht gut geht. Im Gegenteil: Es läuft sehr gut und es tut gut zu merken, wie die am Anfang noch großen Abenteuer immer kleiner werden. Heute war ich zum Beispiel das erste Mal ganz alleine auf dem Markt. Das war für mich am Anfang noch undenkbar, aber es hat sich gelohnt. Zur Belohnung gab es dann Abendbrot :P

Das Unterrichten läuft so im Großen und Ganzen ganz gut. Aber es ist eine Herausforderung der ganz besonderen Art. Ich unterrichte in dem sogenannten "Youth at risk-Project". Dies ist ein Projek, dass die Diözese für Kinder aus der Umgebung auf die Beine gestellt hat, die keine Schulbildung haben. Sie sollen in einem Jahr so viel Grundwissen wie möglich erhalten. Schwerpunkte sind Englischkenntnisse und eine Berufsausbildung: Schneiderei. Eigentlich sollen sie auch noch in Dingen wie Landwirtschaft, Gesundheit/ AIDS, Englisch und Französisch unterrichtet werden. Aber sagen wir mal, dass diese Unterrichtsstunden eher unregelmäßig stattfinden . Trotzdem finde ich dieses Projekt super gut, die Idee ist eine sehr gute. Das Schuljahr beginnt im November, was heißt, dass meine Schüler bereits seit 9 Monaten unterrichtet werden. Leider ist ihr Englisch trotzdem nicht viel besser als mein Kinyarwanda (und das ist wirklich nicht gut).  Das Problem Sprachbarriere ist hier wirklich nicht zu unterschätzen. Aber wofür hat der liebe Gott mir Hände und Füße geschenkt. Da wird Englischunterricht schon mal ganz schnell zum Pantomime-Ratespiel. Daneben gibt es noch eine Reihe anderer Faktoren, die das Unterrichten verkomplizieren. Aber ich gebe mein Bestes und mit Hilfe meines guten Gefährten Moritz läuft es immer besser. Der steht nämlich in da unten in Butare vor sehr ähnlichen Problemen.

Was gab es noch... Ach ja, ich hatte zwei wirklich sehr britisehe Wochen. Das ist zwar eigentlich nicht die Kultur, die ich hier kennenlernen wollte, aber es war trotzdem durchaus interessant. Der Akzent und der Humor waren natürlich etwas gewöhnungsbedürftig, aber ansonsten hatte ich wirklich eine super Zeit. Es ist wirklich sehr aufschlussreich, da sich diese Menschen alle auf irgendeine Weise in der Diözese einbringen und sehr interne Informationen haben. Durch ihre Gespräche habe ich Einblicke in die Gemeinde und die Arbeits- und Denkweise der Ruander erhalten, die mir sonst vielleicht das ganze Jahr verschlossen geblieben wären. Es war auch einfach lustig, mit den einen beiden Gästen habe ich mich gefühlt wie in einer WG, es war super. Eine Woche Gemeinschaft mit 8 Rentnern war auch mal etwas anderes (der Altersdurchschnitt lag bei 70 Jahren - Ja, den habe ich wirklich errechnet). Außerdem ist es einfach entspannend einmal wieder anderen weißen Menschen zu begegnen. Denn der Weißenstatus hier ist etwas mit dem ich noch hart zu kämpfen habe. Und es ist etwas, das sich nicht legen wird. Das einzige was ich tun kann, ist mich damit zu arrangierenn. Man muss mich daran gewöhnen, dass man nicht einfach mal in der Masse untergehen kann, sondern dass man auf ein gewisse Weise immer eine Sonderrolle spielt. Aber mein Fell wird immer dicker :)

Neben all diesen tollen Erfahrungen (es gab natürlich noch viel mehr, aber ich glaube ich werde den Blog lieber nach und nach füllen) gab es auch natürlich auch einige weniger schöne Sachen. Der Monat war geprägt von Visa-Problemen, einigen Umzügen (aber keine Sorge, inzwischen bin ich wieder sicher zuhause), Kommunikationsschwierigkeiten, Kochproblemen (ich habe ihnen gesagt, dass ich ein schlechte Köchin bin, aber der Moment in dem ihnen klar geworden ist, wie ernst ich das meine, hätte ich schon gerne eine Kamera gehabt) und vielen ungebetenen Mitbewohnern (von dem ganzen Stress, den ich mit den Flöhen hatte, möchte ich gar nicht erst anfangen - Ja, FLÖHE!!!). Aber das gehört nunmal auch dazu.

Es ist wirklich nicht immer einfach! Aber wenn man durchhält, merkt man immer zienmlich schnell, dass es sich lohnt. Ich beiße mich hier also so durch. Und die Menschen hier sind wirklich super nett und helfen mir wo sie können. Aber man möchte ja auch ein bisschen was alleine schaffen, nicht wahr?

Ich wünsche euch Gottes reichen Segen, eure Ilva

 

Wer möchte mir schreiben?

Autor: Ilva | Datum: 09 September 2011, 17:42 | Kommentare deaktiviert

Briefe kommen an, ich halte den Beweis in Händen. Heute hat mich der erste Brief der VEM erreicht.

Damit möchte ich allen anderen eifrigen Schreibern da draußen, die nur sehnsüchtig darauf warten ihre aufgestauten Gedanken und Empfindungen für mich endlich zu Papier zu bringen, sagen: Legt los =)

Hier meine Adresse:

Ilva-Lisanne Goltz

EAR

B. P. 27

Gitarama

RUANDA

(Das ist es zumindest, was auf dem Briefumschlag draufsteht.)

Also nochmal im Ernst: Ich würde mich sehr über Briefe freuen und verspreche jeden Brief, der hier ankommt, auch zu beantworten. Ich habe mir zum Geburtstag extra Briefpapier gewünscht =) Aber vielleicht ist es doch besser den Brief vorher einmal zu kopieren. Man weiß ja nie und es wäre schade wenn ich die tollen Worte wegen der ruandischen Post niemals zu Gesicht bekäme.

Ich freue mich bald von euch zuhören. Gottes Segen. Eure Ilva

 

 

Die erste Woche!

Autor: Ilva | Datum: 05 September 2011, 15:35 | Kommentare deaktiviert

So liebe Freunde! Hier kommt mein erster Bericht aus dem wunderschönen Herzen Afrikas.

Meine erste Woche ist um und ich habe natürlich unglaublich viel erlebt. Allerdings halte ich mich dabei ein wenig zurück, damit ich noch genug Stoff für den Rundbrief habe.Trotzdem hier ein paar kleine Einblicke in das Leben der Ilva-Lisanne Goltz:

Das Abenteuer Ruanda begann zu früher Morgenstunde am Düsseldorfer Flughafen. Stück für Stück trudelte mein gesamtes, unerbitterlich gegen die Müdigkeit ankämpfendes Abschiedskommando ein. Nachdem dann auch 20 Minuten vor Boardingtime mein Reisepartner, der gute Moritz, eingetroffen war, konnte sich auch mein Herzschlag wieder beruhigen und ich mich dem Abschied von meinen Liebsten zuwenden. Viele Umarmungen, ein paar kleine Tränen verdrückt, nochmal richtig graziel auf der Treppe hingefallen und darüber schönlachend zum Abschied nocheinmal gewunken - das ist doch mal ein würdevoller Abschied.

Der Flug verlief reibungslos und wir landeten um 20 Uhr (mit nur einer Stunde Verspätung) in Kigali. Als wir endlich durch die Passkontrolle gelangten, hatte unser Gepäck schon einige Ehrenrunden auf dem Gapäckband gedreht. Trotz meiner anfänglichen Sorgen über die Masse meines Gepäcks (mit meinem Rucksack auf dem Rücken hätte man mich nur Anstupsen müssen und ich hätte hilflos wie eine Schildkröte mit den Gliedmaßen strampelnd auf dem Boden gelegen) hatten wir keine Probleme alles zu transportieren. Die Probleme tauchten erst auf als wir den Gepäckbereich verließen und, wie uns aufgetragen wurde, Ausschau nach einem Schild mit unseren Namen hielten. Nachdem nach einer halben Stunde immer noch keins in Sicht war, war es an der Zeit Anika einzuschalten. Glücklicherweise sind die Ruander sehr freundlich und zuvorkommend und wir hatten keine Probleme einen netten Menschen zufinden, der uns mit seinem Handy telefonieren ließ. Aldi funktionert hier nämlich leider nicht. Es stellte sich heraus, dass weder Moritz´ noch meinem Bischof klar war, dass wir an jenem Abend ankommen würden. Warum das dort nicht angekommen ist, kann man leider nicht mehr nachvollziehen, aber mit Anikas Hilfe saßen wir eine Stunde später in einem Taxi nach Gitarama, meiner Heimatstadt für das nächste Jahr. Gegen halb 11 kamen wir beim Bischof an und nach einem kurzen Snack fielen wir auch schon hundemüde ins Bett. Immerhin hatte ich die Nacht davor gar nicht geschlafen.

Am nächsten Tag wurden wir in dem Diozösenabschnitt (Parish) herumgeführt und lernten ein paar wichtige Leute kennen. Darunter auch Eugenie, meine Mentorin/Verantwortliche und Hartmut, ein Deutscher der hier seit 2 Jahren arbeitet mit dem Ziel die gemeindeninterne Schreinerei zu verbessern. Moritz und ich nutzten die Gelegenheit um uns ein paar Tipps einzuholen, damit uns vielleicht ein paar Fettnäpfchen erspart bleiben. Der Rest des Tages wurde genutzt um die Frage um meine Unterkunft zu klären und schonmal ein paar erste Einkäufe zu erledigen.

Am nächsten Morgen war es Zeit für Moritz nach Butare aufzubrechen (schluchz) und für mich mein neues Zimmer im Halleluja-Haus zu beziehen. Das ist ein Gästehaus direkt neben dem Grundstück des Bischofs. Es ist wirklich sehr schön und hier können bis zu 8 Personen leben, was bedeutet, dass ich mir dieses Haus im nächsten Jahr mit ein paar interessanten nationalen, sowie internationalen Gästen der Diozöse teilen werde. Im Moment wohne ich hier zwar noch für mich alleine, aber Ende der Woche werden wir für zwei Wochen Besuch aus Großbritannien haben - juchuh! Besuch aus Deutschland steht auch nichts im Wege: Ich habe ein eigenes Badezimmer und sogar noch ein zweites Bett in meinem Zimmer, also fühlt euch alle herzlich eingeladen.

Nach meinem Einzug habe ich mit dem Bischof ein niederländisches Uniprojekt besucht, bei dem holländische Studenten für 3 Monate nach Ruanda kommen und ihr Studienfach hier praktisch auszuprobieren. Sehr lustige Gesellen. Es ist manchmal auch einfach schön zu wissen, dass nicht mal mehr 7 Kilometer entfernt, 2 Berge rauf und wieder runter, über eine holprige Landstraße mit Löchern mit den Ausmaßen von Badewannen Menschen mit einem ähnlichen kulturellen Hintergrund sitzen =)

Es ist jetzt schon deutlich geworden, dass dieses Jahr aus kirchlicher Hinsicht ein sehr Intensives wird. Ich habe diese Woche mindestens 12 Stunden in Gottesdiensten verbracht. Darunter Konfirmationen auf die mich der Bischof mitgenommen hat und der ursprüngliche Sonntagsmorgens Gottesdienst. Doch mehr zu meinen kulturellen Erfahrungen dort könnt ihr in meinen Rundbriefen lesen.

Ich verstehe mich  hervorragend mit der Haushälterin des Bischofs, Alphonsine. Sie hat die ersten Tage noch wunderbar für mich mitgesorgt und steht, nun da ich für mich selbst sorge, immer noch bei jeglichen essenstechnischen Problemen bereit. Wir haben allerdings einige Kommunikationsschwierigkeiten, da sie nur Kinyarwanda und Französisch spricht und mein Schulfranzösisch doch eingerosteter ist als ich gehofft hatte. Aber ich mache Forschritte und sie ist wirklich sehr geduldig. Von meinen Problemen mit Kinyarwanda möchte ich gar nicht erst anfangen. Es ist wirklich eine sehr schwierige Sprache und hat nichts mit der deutschen Grammatik gemeinsam. Aber ich gebe mein bestes.

So jetzt wisst ihr erstmal wie meine Anreise und meine ersten Tage so ungefähr gelaufen sind. Es ist wirklich nicht immer leicht, gerade als Weiße. Aber daran werde ich mich schon gewöhnen. Dafür hat Ruanda wirklich unglaublich viele schöne Seiten und ich kann es kaum erwarten diese doch sehr fremde Kultur näher kennenzulernen.

Morgen fange ich an zu unterrichten. Mal schauen wie das klappt. Denkt dabei mal an mich. 

Ganz liebe Grüße, eure Ilva