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Tansania

Autor: Ilva | Datum: 13 Juli 2012, 08:21 | Kommentare deaktiviert

Dieser Beitrag ist für die liebe Mama Proell, mit deren Kindern ich gerade ein wunderbares Wochenende in Tansania verbracht habe. Und auf ihr Bitten hin sogar mit Fotos ;)

Ruanda wird auch liebevoll "das Afrika für Anfänger" genannt. Was man auch verstehen kann, denn wenn man sich hier umschaut, sieht es kein bisschen so aus, wie man sich das "typische" Afrika so vorstellt. Doch da ich dieses unbedingt einmal sehen wollte, habe ich freudig zugestimmt, als mein Kumpane Moritz und seine Schwester Laura, die gerade zu Besuch ist, mich gefragt haben, ob ich nicht mit ihnen die Freiwilligen in Bukoba besuchen möchte. Tansania, Viktoriasee und dann noch Charlotte und Nadine wiedersehen? Na da bin ich doch glatt dabei.

Leider haben sich von Anfang an einige Probleme angekündigt. Zunächst einmal ging es nur für ein Wochenende. Eine ganz schön kostspielige Reise, wenn man bedenkt, dass wir auch noch das Eintrittsvisum (50$) bezahlen mussten. Und außerdem gibt es keine Expresse nach Bukoba. Man fährt also einfach bis zur ruandisch-tansanischen Grenze, wandert hinüber und schaut dann einfach was passiert. Die Sprache ist ohnehin ein Problem für sich, da mein Kisuaheli genauso gut wie mein Spanisch ist, sprich: nonexistent. Doch das größte Problem von allen war für mich, dass die Proells danach auf eine Safari in Arusha fahren würden (wozu mir leider das Geld und - da ich noch arbeiten muss - auch die Zeit fehlen) was für mich bedeutete die Rückreise ganz alleine antreten zu müssen. Und das in einem Land, wo ich die Sprache nicht beherrsche, die Polizei eine korupte Tendenz hat und man meilenweit fahren kann, ohne einer anderen Menschenseele zu begegnen.

Egal, ich will den Viktoriasee, Charlotte und Nadine sehen. Also ging es Donnerstag Abend nach Kigali, wo Moritz, Laura und ich uns zusammen in einem Hotel in ein Doppelbett gekuschelt haben, und Freitag morgen dann direkt mit einem Expressbus zur Grenze. Reisen in Ruanda ist einfach einwandfrei! - Gut, über die Grenze (50$ ärmer) und schon standen wir vor dem ersten Problem. Geld wechseln. Was ist denn die Umtauschrate von Ruandafranc zu Tansanischen Schillingen? Keine Ahnung, also einfach auf gut Glück getauscht. Und ab nach Tansania. Moment, wo sind denn die Busse? Achso, die gibt es erst im nächsten Dorf. Gut, also erstmal ein Taxi. Preis scheint in Ordnung, alle rein. Warum fahren wir denn nicht? Ok, die wollen das Taxi erstmal ganz voll kriegen. Was machen sie denn jetzt? Es ist doch schon voll? Kein Problem, dann kuscheln wir uns halt alle zu siebt in einen Fünfsitzer. Und los gehts. -

Binalco. Das erste Dorf nach der Grenze. Jeder Mensch, der von Ruanda nach Tansania möchte, muss hier durch. Auch die ganzen prolligen weißen Touristen. Ich glaube, diese würden davon eher entsetzt sein. Doch da Moritz und ich abenteuerlustige Freiwillige sind, die von der "Luxuriösität" Ruandas eher gelangweilt waren, konnten wir einfach nur staunen. Ein paar kleine Lädchen und Häusschen an einer ungeteerten, dreckigen Straße. Kinder spielen zwischen Bananenstauden, die Ladenbesitzer sitzen unter Cocacolaschirmen, um der steigenden Sonne zu entfliehen. Alles ist so langsam, so ruhig...so entspannt. Na das ist doch mal Afrika. Und dort an der Ecke wartet auch schon ein Dalladalla (so nennen unsere Mitfreiwilligen in Tansania liebevoll die Minibusse - nebenbei ausgelegt für 15 Personen).

- Dreimal nach Bukoba bitte! Wie das geht nicht? Ok, erstmal ins nächste Dorf und von da aus dann einen Bus nach Bukoba nehmen. Kein Problem, machen wir. Aber erstmal heißt es natürlich warten. Denn mit 15 Leuten ist der Bus ja noch lange nicht voll. - Nach gut einer halben Stunde warten, ging es dann los. Und während Moritz und ich nach vorne neben den Fahrer gesetzt wurden, durfte die Laura hinten, mit den anderen schätzungsweise 23 Pasagieren kuscheln (das tut mir echt immer noch so leid, Laura). Dagegen war der Ellenbogen des Fahrers, der sich bei jedem Mal schalten in meine Bauchgegend gebort hat, geradezu eine Wellnessmassage! Doch auf diese Weise alle wunderbar verstaut, ging es dann für 3 Stunden durch die Savanne. Und das war ein Anblick, der sich mir nach 10 Monaten Afrikas trotzdem noch nie geboten hat. Ebene Flächen ausgetrockneten Grases, endlose Landstraßen zu beiden Seiten mit afrikanischen Bäumen gespickt , doch das Erstaunlichste: keine Menschen. Keine Häuser. Keine Berge. Doch dafür nach wie vor eine brütende Sonne. Doch als Abhilfe dagegen reißen die Tansanier einfach die Fenster auf und lassen den ganzen afrikanischen Staub rein.

Nach einer endlos scheinenden Reise kamen wir dann im nächsten Dorf an. Und schon hatten wir wieder ein neues Problem. Kein Geld mehr. Und in diesem Dorf sah es nicht danach aus als gäbe es irgendwo eine Bank. Käse. - Spricht hier irgendjemand Englisch? Natürlich nicht. Französisch vielleicht? Nö. Ok, wie steht es denn mit Kinyarwanda? Tatsächlich! Super, können wir bei Ihnen Geld tauschen? Puh, das ist aber eine Abzocke. Aber ich schätze Mal, wir können da nicht weiter wählerisch sein. - Ab in den nächsten Bus (diesmal durften wie alle zusammen mit den Passagieren kuscheln, nachdem Laura, der wir zum Ausgleich den Sitzplatz vorne überlassen hatten, von diesem vertrieben wurde). Und wieder für zwei ausgerechnete Stunden durch die Pampa.

Leider hatten wir nur die Hälfte der Strecke geschafft, als der Bus dann mitten im Nirgendwo liegen blieb. - Schade! Aber doch nicht unerwartet, wenn man bedenkt wie schnell die immer Rasen. Was tun? Erstmal warten. Und Moritz die Führung überlassen. Also wird getrampt. - Nach 45 Minuten, die Laura und ich entspannt im Schatten des Busses verbracht haben, saßen wir doch tatsächlich in einem Auto in die nächste Stadt. Wobei das Wort "sitzen" relativ ist, da ich eher bei Laura und Moritz auf dem Schoß lag. Aber anders passen 5 Leute nunmal nicht auf eine Dreiersitzbank. Und wieder durch die Pampa. In der nächsten Stadt angekommen, haben wir dann doch tatsächlich direkt einen Bus nach Bukoba erwischt. War das ein schönes Gefühl. Wenn man mal davon absieht, dass ich mehr kniete als saß, Laura mal wieder zwischen kleinen Kindern eingequetscht war und Moritz verzweifelt versuchte irgendwo seine langen Beine unter zu bringen. 25 Leute plus Babies. Wunderbar.

Und so kamen wir nach 12 einhalb Stunden Reise doch tatsächlich in Bukoba an. Ich mit grauen, Moritz mit braunen Haaren und Laura mit wundersamer brauner Haut. Nur zum Hinweis: das ist alles beim Duschen wieder abgegangen. Und wir sind doch tatsächlich Charlotte und Nadine in die Arme gefallen (wir hatten nämlich ein paar echte Probleme sie zu erreichen). Und die Zeit in Bukoba war einfach nur herrlich. Ob bei Nadine zuhause, auf dem Markt, am Viktioriasee (in dem ich leider alleine Planschen war) oder bei Charlotte...großartig. Selbst ein Telefonat mit unseren tollen Freunden Jonas und Carina, am anderen Ende Tansanias, war mit drin. Ganz besonderes war es für mich Charlotte an ihrer Stellen zu besuchen. Sie arbeitet nämlich in einem Waisenhaus in einem Dorf (an dieser Stelle mache ich einmal Werbung für Charlottes Blog, damit ihr die Hintergründe dieses Waisenhauses nachlesen könnt) und es war einfach unglaublich süß. Und das alles an einem Tag, meine Güte.

Doch über all dem hing die ganze Zeit wie ein dunkler Schatten die Rückreise. Denn am Sonntag morgen ging es dann auch schon wieder  zurück. Für Moritz und Laura nach Arusha, für mich einsam und alleine nach Ruanda. Ich werde jetzt einfach nicht genauer auf die Reise eingehen, sondern nur sagen, dass es länger war, teuer und ich in manchen Momenten ernsthaft gezweifelt habe, ob ich die wunderbaren Hügel meiner "Heimat" jemals wieder sehen würde. Da konnte ich echt nur noch beten. Doch es war die schönste Freude, als ich endlich wieder Fuß auf ruandischen Boden gesetzt habe. Und ich sage euch, die Ruander hinter der Grenze haben sich auch gefreut mich wieder zuhaben. Und wenn es nur meine Freudenrufe waren, die sie zum Lachen gebracht haben.

Mein Fazit: Ich bin froh, dass ich es egmacht habe. Es war wunderbar das alles zu sehen, zu erleben und ich kann Ruanda jetzt wieder viel besser wertschätzen. Aber...NIE WIEDER! =)

 

European Cup

Autor: Ilva | Datum: 17 Juni 2012, 07:21 | Kommentare deaktiviert

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Ja, auch in Ruanda ist die Europa Meisterschaft ein Thema. Ehrlich (und vielleicht sogar peinlicher Weise) gesagt wäre sie sogar direkt an mir vorbei gegangen, wenn die Ruanda nicht so fußballbegeistert wären. Meine Schüler versichern mir nämlich ständig, dass sie für Deutschland sind, da Ruanda ja nicht dabei ist. Und seitdem habe ich es mir zur Aufgabe gemacht, Werbung für die deutsche Nationalmannschaft zu machen, um selbst den letzten Ruander auf die Seite der deutschen Nationalmannschaft zu ziehen.

Wo soll’s man sich nun anschauen? In der Stadt geht nicht wegen der Entfernung und der späten Stunde (wer hat sich das nebenbei ausgedacht?), bei meinen Nachbarn ebenso nicht, weil sie diesen Monat kein Kabel bezahlt haben und die Einladung meiner Freunde in Shyogwe musste ich auch höflich ablehnen. Denn bevor ich mir die Spiele in einem Haushalt voller Holländer -6 Stück an der Zahl, ich als einzige Deutsche und keine anderen Augenzeugen mit im Raum- anschaue, lasse ich es lieber ganz sein. Damit bleiben zumindest meine Knochen heil. Eine weise Entscheidung, denn ich glaube die Deutschland-Niederlande-Partie hätte ich in der Tat nicht überlebt.

Ich kann mir die EM also tatsächlich nicht angucken. Das ist zwar äußerst ärgerlich, aber eigentlich bekomme ich trotzdem alles mit. Denn bei jedem Tor Deutschlands bekomme ich eine Gratulationsnachricht nach der anderen aufs Telefon und wenn das Spiel dann letztendlich vorbei ist, kommt der Partyanruf des treuen Moritz. Leider schlafe ich da meistens schon. Doch davon lässt sich mein euphorischer Gefährte natürlich nicht schrecken, brüllt das Ergebnis in den Hörer und schmeißt mich damit am anderen Ende der Leitung fast aus dem Bett. Ich liebe es! Denn auf diese Weise erreicht mich der deutsche Fußballgeist selbst hier. Und danach schlafe ich nur umso besser. Und die nächsten drei Tage höre ich von allen Seiten „The Germans are so strong!“ und sehe Deutschlandmützen, -hüte, -armbänder und Flaggen, die an vorbeifahrende Fahrräder gepinnt sind (in diesem Fall ist es aber glaube ich Standardausrüstung). Fast wie in der Heimat =)

 

Wer rast denn da über Weg und Pfad? Es ist die Ilva auf ihrem Rad!

Autor: Ilva | Datum: 09 Juni 2012, 08:52 | Kommentare deaktiviert

Ich bin stolze Besitzerin eines Fahrrads. Naja, nicht wirklich stolz. Obwohl mir von allen Seiten immer wieder gesagt wird "Oh, Ilva - you have such a strong bike." muss ich das immer mit einem leichten Lächeln verneinen. Es sieht zwar aus wie ein Mountainbike - was im Land der tausend Hügel echt gut zu gebrauchen wäre - doch leider hat es nichts von dessen Robustizität(?). Das Quietschen, das das Fahrrad bergauf von sich gibt, ist mehr als störend und der Knall, den die Kette im Leerlauf berab verursacht, durchaus beunruhigend. Aber da es mehr als genug Werkstätten gibt, ist das natürlich kein Problem.

Und wen wundert's, dass mein getreuer Drahtesel so überbeansprucht ist? Wenn man sich die Wege anschaut, über die es hinweg pest...

Nach wie vor fahre ich nämlich einmal die Woche nach Shyogwe, einem Dorf ca. 7 km in Richtung Ende der Welt. Ich muss zugeben, dass ich die Arbeit in dem Kindergarten dort während der Regenzeit ein wenig vernachlässigt habe. Doch da nun das Gröbste hinter uns liegt und ich auf dem Weg dorthin nicht mehr vom Ertrinken bedroht bin, habe ich die Arbeit dort einige Wochen zuvor wieder aufgenommen.

Es ist eine schöne Reise. Leicht verschlafen setzte ich mich am Morgen auf mein Rad. Die frühe Sonne spendet wunderschönes Licht und eine wärmt leicht meine Haut. Ich fahre über die Hauptstraße und Wind weht mir über die Wangen während ich vorbei an den Ladenbesitzern fahre, die vor ihren Geschäften sitzen und mir Grüße zurufen. Sehr angenehm. Dann biege ich nach links, auf eine kleinere Straße, wo der Asphalt langsam in Erde und Steine übergeht. Der Rest Müdigkeit, der noch übrig ist, wird hierbei aus jedem Zentimeter des Körpers, der auf diesem Weg auf und ab springt, herausgeschüttelt. Noch mehr Läden, noch mehr verschlafene Menschen am Wegesrand, die die Sonne genießen und mir erstaunt nachrufen, wenn ich vorbeidüse. Frauen fahren hier nämlich eingentlich kein Fahrrad. Ach ja, und ich bin weiß. Eine wohl sehr interessante Kombi. Weitergeht es bergab über ein langes Stück Pfad, das von beiden Seiten mit Bäumen gesäumt ist. Im Slalom um die Löcher und Krater im Boden und die Menschen und Fahrräder, die einem entgegenkommen. Noch ein paar Häuser und damit habe ich die "Zivilisation", also die Wohngegenden erstmal hinter mir gelassen. Vor mir erstrecken sich nun die Hügel und Täler Ruandas. Alles in das sanfte Licht der Morgensonne getaucht. Es ist so ruhig. Pure Entspannung.

Ich fahre durch eine Gruppe Gefängnisinsassen, die am Wegesrand Unkraut jeten und auch wir grüßen uns freundlich, vorbei an Ziegen, die angebunden im Schatten eines Eukalyptusbaumes Dösen, vorbei an Frauen, die ihre endlos scheinenden Reisfelder umgraben. Und ich fahre vorbei an Kühen. Frei rumlaufenden, unangebundenen Kühen, mit Hörnern, auf denen zwei Menschen auf einmal sitzen könnten. Habe ich schon erwähnt, dass ich panische Angst vor Kühen habe? (Kindheitstrauma). Ohne Witz, an den Kühen vorbei zu fahren, kostet mich dreimal mehr Überwindung als durch eine Gruppe verurteilter Gefangener. Bisher hat mich zwar noch keine Kuh angegriffen, aber für mich ist das nur eine Frage der Zeit. Sie können meine Angst bestimmt riechen. Doch da es in Ruanda von Kühen nur so wimmelt, macht es sowieso keinen Sinn zu versuchen ihnen aus den Weg zu gehen. Und von denen lasse ich mir nicht meine wunderbare morgendliche Radtour kaputt machen.

Obwohl der wunderbare Teil auch nach einer Zeit vorbei geht. Denn wenn man 20 Minuten kontinuierlich fast nur bergab fährt, muss man unvermeidlich irgendwann auch wieder bergauf. Unermüdlich grüße ich weiterhin alle Menschen die mir entgegenkommen. Doch das wird mehr und mehr zur Qual. Die Luft wird immer knapper, die Sonne immer wärmer und die Wege irgendwie immer holpriger. Bis zu einem Kilometer erstrecken sich diese Berge manchmal. Und sind an manchen stellen steiler als der Berg nach Solingen-Aufderhöhe (12%Steigung). Doch ich halte wacker durch. Kinder, die am Wegesrand spielen, springen auf und laufen neben mir her (kein Wunder - ich bin ja auch wirklcih langsam). "Komera Umuzungu!" (Halte durch, Weiße!). "Yego, mukomere!" (Ja, bleibt ihr auch stark!). Wenn sie ganz übermütig werden, halten sie sich beim Laufen manchmal am Gepäträger fest. In dem Fall muss ich aber mal rufen "Oya! Bibi!" (Nein! Böse!). Dann lassen sie auch wieder los. Doch das reicht meistens schon um mich meiner letzten Kräfte zu berauben.

Wenn ich dann ein Stück Weg finde, wo wundersamerweise gerade niemand ist, gönne ich mir manchmal eine Pause. In der Nähe anderer Menschen zu halten, hat nämlich oft die Folge,dass sich plötzlich eine Traube Menschen um einen versammelt, die einen einfach nur anstarren. Und dann ist es doch ein wenig unpassend seine Wasserflasche zu zücken und zu trinken. Also, Privatsphäre wird benötigt. Gefunden, kurz durchgeatmet, einen Schluck getrunken - da blögt einen ein Schaf von der Seite an. Egal, trotzdem noch Privatsphäre genug. Noch einen Schluck und weiter geht's.

Wenn ich dann letztendlich mit hochrotem Kopf in Shyogwe ankomme, bin ich jedoch nicht so erschöpft, wie man es denken würde (ich schwitze eher weniger, werde aber roter als eine Tomate. Das ist aber ganz praktisch, denn die Ruander sehen da keinen Unterschied. Für sie bin und bleibe ich weiß.) 45 Minuten dauert die Fahrt und das ist eingentlich genau die richtige Dauer und die Richtige Menge Sport um einen für den Tag so richtig in Schwung zu bringen.

Es gibt nur zwei Probleme: Erstens, ich arbeite nicht mehr im Kindergarten. Wegen ein paar Differenzen, habe ich ihnen mitgeteilt, dass ich die Arbeit dort lieber beenden würde. Das war jedoch kein Problem. Stattdessen helfe ich jetzt einer niederländischen Studentin, die in einer der Schulen von Shyogwe Tanz und Drama unterrichtet. Das ist echt mal was ganz anderes. Es macht echt super viel Spaß, aber mit 40 ruandischen Schülern und Schülerinnen durch einen Saal zu hopsen, zehrt doch schon sehr an den Kräften. Besonders nach so einer Radtour.

Das zweite Problem ist: Ich muss auch wieder zurück. Und die Rückfahrt ist ungefähr doppelt so anstrengend wie die Hinfahrt. Bergauf, bergauf, bergauf. Wenn ich dann am späten Nachmittag nach Hause komme, bin ich physisch ganz schön tot. Besonders mein Po =) Aber auch sehr glücklich, denn in der Nacht nach Shyogwe kann ich meistens wirklich gut schlafen!

 

Umuganda

Autor: Ilva | Datum: 03 Mai 2012, 15:59 | Kommentare deaktiviert

Das ist der Tag in Ruanda, an dem jeder Einwohner des Landes zu gemeinnütziger Arbeit verdonnert wird. Dabei haben die alle doch nichts verbrochen. Schon ein bisschen unfair, was?

Naja, es geht. Umuganda, was zu deutsch tatsächlich in etwa "öffentlicher Gemeinschaftsdienst" bedeutet und im Englischen als Community Day bezeichnet wird, findet am letzten Samstag jedes Monats statt. Von 8 bis 12 Uhr lassen alle Menschen ihre alltägliche Arbeit und Jobs liegen und wenden sich Aktivitäten zu, die das Leben von Land, Leuten und Gemeinschaft verbessern sollen. Es werden Häuser gebaut, Straßen gesäubert, Kirchen geputzt, öffentliche Grasflächen geschnitten. Umuganda ist nichts, das man einfach "vergessen" kann. Es ist in dem Kopf aller Ruander verankert, da es eine der strikten Maßnahmen ist, die die Regierung in der Zeit nach dem Genozid verordnet hat. Mit dem Ziel die schrecklichen Folgen dieser Zeit so schnell wie möglich hinter sich zu lassen.

Generell kann man sagen, dass es etwas ist, an dem sich jeder andere Staat der Welt ein Beispiel nehmen kann. Es stärkt die Gemeinschaft, erschafft ein Gefühl von Einheit und Verantwortung füreinander und für die Umwelt. Sehr nobel.

Rein theoretisch natürlich. Denn, obwohl die Ruander eigentlich zu diesen Aktivitäten verpflichtet sind, sind sie letztendlich auch nur Menschen. Faul ist das Stichwort. Also nimmt die Masse an Menschen, die sich an jenem Vormittag in ihren Häusern verstecken und sich eine entspannte, arbeitsfreie Zeit machen, immer mehr zu. Was man natürlich nicht als Regel betrachten sollte, denn auf der anderen Seite gibt es immer noch die Menschen, die diese Tradition sehr ernst nehmen.

Und da ich nunmal ein traditionsbewusster Mensch bin, habe ich mich am Samstag auf den Weg entlang der Menschen und besonders autoleeren Straße (denn auch das Fahren ist an diesem Tag verboten - es ist einfach so unglaublich ruhig!) hoch zum Landwirtschaftprojekt der Diözese gemacht, um mich ein paar Freiwilligen -in ihrem bestreben das Gelände zu vergrünen- anzuschließen. Bäume pflanzen, war die Devise.

Das heißt: Loch graben, den ausgehobenen Boden wieder hineinschieben (ich nehme mal an, um den Boden aufzulockern), den Setzling einsetzen (gerade mal 10 cm groß), mit Dünger umringen und diesen dann mit dem Rest Erde bedecken. 7 Freiwillige, vier Flächen, auf jeder Fläche ca 20 Löcher, das maaaacht...eine ganze Menge Arbeit! Besonders da wir keine Schaufeln hatten, sondern Hacken, die gemeingefährlich und unaufhaltbar mit voller Kraft von über dem Kopf in den Boden geschwungen werden. Das war echte körperliche Anstrengung. Denn die vorgegebene Größe der Löcher ist nicht ohne. Was einen doch sehr frustriert, da man das Loch letztendlich bis zu einem Dreviertel einfach wieder zuschüttet. Und währenddessen wird man angeheizt von der wunderbaren Sonne Afrikas. Und das obwohl es gerade Regenzeit ist. Zugegeben: Regen wäre in diesem Moment nicht gerade hilfreich gewesen. Aber ob die Sonne uns nun wirklich einen Gefallen getan hat, als sie durch die sonst so permanente Wolkendecke brach und uns allen die Arrme versenkt hat, bleibt fraglich.

Aber jetzt kommt mein Lieblingsteil: Als alle Löcher gebuddelt waren, wurde es dann Zeit zum eigentlichem Teil der Arbeit über zu gehen. Dem Pflanzen. Ich als Neuling habe erstmal bei der Bearbeitung eines Loches zugeschaut und mich dann voller Elan auf mein eigenes gestürzt. Im Spagat über dem Loch erstmal die ganze Erde wieder reinwuchten, dann das kleine Bäumchen platzieren -sehr niedlich- dann den Dünger drumherum...Moment mal...das hat aber eine sehr interessante Konsistenz und die Farbe erinnert mich gefährlich an... "Hey Ilva, du musst das übrigens nicht mit der Hand machen, wenn du das nicht willst!" -eine tolle Bemerkung, wenn ich schon bis zu den Handgelenken tief drin stecke- "Ist es das was ich denke?" "Jo, das kommt frisch aus dem Hinterteil einer Kuh!"

Na wunderbar! Egal, wenn schon denn schon. Also hat die liebe Ilva die nächste halbe Stunde damit verbracht mit den Händen in Kuhmist zu wühlen. Und glaubt es mir oder nicht, ich fand es einfach zum Schießen komisch und habe mich mit jedem neuen Loch aufs Neue kringelig gelacht.

Das Händewaschen danach war allerdings alles andere als erfreulich. Aber mit System wurden allen fleißigen Helfern die Hände gereinigt. Und da wir alle Desinfektionsmittel dabei hatten, waren versteckte Bakterien auch kein Problem. Nur die Ränder unter den Fingernägeln haben doch ein längerfristiges Andenken gegeben...Pfui! =)

 

Marke: Teekanne

Autor: Ilva | Datum: 30 April 2012, 11:30 | Kommentare deaktiviert

Heute habe ich Tee getrunken. Roibusch-Hibiskus: ein Geschmack von Heimat und Ferne zugleich.

Wieso? Dieser Tee wurde in Deutschland produziert, ins ferne Japan exportiert, von einer jungen Japanerin namens Chizu gekauft, die ihn wiederum für ihr FSJ mit nach Ruanda genommen hat.

Und ironischer Weise serviert sie ihn dort ausgerechnet drei Deutschen.

Irgendwie hätte man das auch einfacher haben können :)

 

 

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